| Kontaktdaten: Gesicht Zeigen! Aktion weltoffenes Deutschland e. V. Koppenstr. 93 10243 Berlin Tel: 030-30308080 Email: www.gesichtzeigen.de www.gesichtzeigen.de/ index.php/ navigation/ projekte/ ausstellungsprojekt |
Durchführung: Durchführungsort/e: Berlin Bundesland: Berlin weitere Länder: - Förderzeitraum: 09/2007-12/2010 |
Themencluster:
Auseinandersetzung mit historischem und aktuellem Antisemitismus
Unterthema:
Zeitgemäße Konzepte für die Bildungsarbeit zum Holocaust
Hauptzielgruppe:
Kinder und jüngere Jugendliche
Leitziele:
1. Es wird ein neues zeitgemäßes Ausstellungskonzept für die pädagogische Arbeit und Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit entwickelt. Im Projektverlauf sind der Bau der Ausstellung und der dreimonatige Probebetrieb enthalten. Ziel ist es ein ganz neues, haptisches und "sinnliches" Ausstellungskonzept zu entwickeln, das den heutigen Bedürfnissen von Jugendlichen gerecht wird. Besonderer Schwerpunkt liegt bei postmigrantischen Jugendlichen.
2. Wichtig ist die Ausrichtung auf "heute", die Übertragbarkeit auf das heutige Deutschland, die heutige Gesellschaft.
3. Neu ist der Ansatz, der von der Inszenierung von Lebenswelten ausgeht: Es sollen Aspekte der Ähnlichkeit und Nähe zwischen dem Leben von Jugendlichen heute und in der NS-Zeit durch eine entsprechende Inszenierung in der Ausstellung verstärkt werden, um so den Blick zu öffnen für das Handeln der Menschen damals. Dadurch werden die Jugendlichen stärker involviert, entdecken geschichtliche Episoden als zutiefst menschliche – und lernen so sowohl etwas über ihr eigenes Handeln heute als auch über die Unterschiede zwischen Geschichte und Gegenwart.
Handlungskonzept:
Im Rahmen des Projekts wird eine neuartige Ausstellung entwickelt, die als spezifisches pädagogisches Setting fungiert. Die Ausstellung soll aus sieben modularen Erfahrungsräumen bestehen. Jeder von ihnen verbindet genuin künstlerische Interventionen mit kulturpädagogischen Methoden und Zugängen im Kontext historisch-politischer Fragestellungen. Die unterschiedlichen Motive der Räume verbinden Erscheinungsbilder alltäglicher Lebenswelten mit biographischen Episoden aus Geschichte und Gegenwart, mit Erfahrungen von Antisemitismus und Diskriminierung, von Unterstützung und Selbstbehauptung. So führen sie von einer leicht zugänglichen Oberfläche zu großen Fragen des Lebens in Geschichte und Gegenwart.
Auf der ersten Ebene inszenieren die Räume unterschiedliche Lebensbereiche, die heute genauso wie in der NS-Zeit zur Alltagswelt von Jugendlichen gehören und schon dadurch interessant sind. So widmen sich die Räume äußerlich beispielsweise dem Schwimmen und dem Sport, dem Swing und musikalischer Subkultur, dem Lotterleben, dem Passfälschen und Flugblattdrucken, der Warenwelt, dem Klassenzimmer, dem Zuhause.
Jeder Erfahrungsraum ist fiktionale Verdichtung eines Sets von Erzählungen, Geschichten und Situationen. Es geht um Beispiele menschlichen Handelns, im Negativen wie im Positiven: Um Antisemitismus, Ausgrenzung und Diskriminierung ebenso wie um Unterstützung, Widerstehen und Hilfe. So behandeln die Erfahrungsräume in der Tiefe Themen wie Freundschaft und Solidarität, Eigentum und sozialer Status, Liebe und sexuelle Orientierung, Politik und Religion, Körperbilder und Ehre, Ehrlichkeit und freie Meinungsäußerung, Menschenrechte und Demokratie.
Die Verdichtung von Raum und Zeit schafft Assoziations- und Entdeckungsräume: Was war damals, was ist heute? Was hat dies mit mir, jenes mit dir zu tun? So soll aus der Begegnung von Kunst und Wissenschaft unterschiedlicher Disziplinen eine ungewöhnliche Ausstellung entstehen, die Jugendlichen neue Zugänge zu Geschichte und Gegenwart erschließt und dazu beiträgt, Energien für ein menschenwürdiges, demokratisches Miteinander freizusetzen.
Abgestimmt auf die Formen und Inhalte der Ausstellung werden Programmangebote für Jugendgruppen und Schulklassen entwickelt, welche die historisch-politischen Fragestellungen mit einer großen Bandbreite kulturpädagogischer Methoden verbinden. Ausstellung und Programm richten sich an Jugendliche unterschiedlicher Altersgruppen, Herkunft und Bildungshintergründe und sollen von einem Team aus Pädagoginnen und Pädagogen unterschiedlicher Fachrichtungen und kultureller Hintergründe durchgeführt werden.
Entwicklungsphasen: Nach einer Startphase mit umfangreichen Recherchen und der Entwicklung einer Grundlagenkonzeption (ab Herbst 2007) fand im Spätsommer 2008 durch zwei Kurzfilme von Robert Thalheim eine erste Annäherung an konkrete Inszenierungen statt. Eine Reihe von Workshops im Herbst 2008 diente der Beteiligung von Jugendlichen am Projekt, als Expertinnen und Experten für ihre eigenen Lebenswelten und Interessenslagen. In der Ausstellungswerkstatt "Trainingsplatz" erhielten im Februar/ März 2009 zahlreiche Elemente und Ideen erstmals eine konkrete Form und werden anhand des Lebensbereichs Sport beispielhaft durchgespielt. Unter Berücksichtigung der gewonnenen Erkenntnisse werden seither die einzelnen Raumkonzeptionen im Detail ausgearbeitet, stofflich in den Raum übersetzt und als Ausstellung gebaut. Die Ausstellung trägt den Titel "7xjung - dein Trainingsplatz für Respekt und Zusammenhalt". Parallel dazu werden Konzeption und weitere Unterlagen für die pädagogische Arbeit entwickelt.
Im Frühjahr 2010 wird die Ausstellung eröffnet und insgesamt 6 Monate lang getestet. Die Ergebnisse dieser Probephase werden aufgearbeitet und zum Projektabschluss veröffentlicht.
Kooperations- und Netzwerkpartner:
· Zentralrat der Juden in Deutschland
· Anne Frank Zentrum
· Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin
· Gedenkstätte Buchenwald
· Fritz-Bauer-Institut
· Leo Baeck Institute, New York/ Berlin
· Jugendmuseum Schöneberg
· Jüdisches Museum Berlin
· Museum Blindenwerkstatt Otto Weidt
· Schulen in Berlin und Brandenburg
Erwartete Ergebnisse:
1. Es wird am Ende eine Ausstellung geben.
2. Der Probebetrieb wird ausgewertet und analysiert.
3. Es ist geplant, die Ausstellung fest in Berlin zu verankern.
4. Gerade in Berlin soll eine Ergänzung zu den schon vorhandenen Angeboten geschaffen werden. Die Ausstellung soll die Zielgruppe emotional packen und sie für die theoretischere Auseinandersetzung an anderen (historischen) Orten in Berlin empfänglich machen.
5. Die Jugendlichen sollen nach dem Besuch sagen "ich lasse nicht zu, dass jemals noch einmal so etwas geschieht, ich sehe hin, ich mische mich ein".