
Bautzen
| Kontaktdaten: Landratsamt Bautzen Geschäftsbereich Jugendhilfe- und Sozialplanung Taucherstr. 23 02625 Bautzen Tel: 03591-525151100 Email: www.bautzen.de www.kijunetzwerk.de |
Fördergebiet: Landkreis Bautzen, in den Kreisgrenzen vom 1.1.2007 Größe: 961 qkm Einwohnerzahl: 146.197 Förderzeitraum: 01/2007-12/2010 |
Leitziele:
Nachhaltige Entwicklung lokaler Bündnisse und kooperierender Maßnahmen zur Festigung bzw. Erweiterung vielfältiger demokratischer Angebotsstrukturen für junge Menschen sowie zur bewussten Schaffung von gemeinsamen Handlungsstrategien gegenüber rechtsextremistischen, fremdenfeindlichen und antisemitischen Organisationen und Aktivitäten im Landkreis Bautzen.
Handlungskonzept:
Im Sinne der Stärkung der demokratischen Bürgergesellschaft besteht ein ganz wesentlicher Handlungsgrundsatz in einer aktiven Einbeziehung unterschiedlichster zivilgesellschaftlicher Akteurinnen und Akteure im Gesamtzusammenhang. Bestehende Netzwerke, Angebote und Ressourcen sollen effektiver miteinander verzahnt werden, aber auch Stärken und die Spezifik der Region bedürfen höherer Transparenz und Bewusstmachung. Dazu sind teilweise neue Formen der Beteiligung und Zusammenarbeit zu entwickeln und mit den gegebenen Prozessen effektvoll zu verbinden. Einen besonderen Stellenwert bei der Umgestaltung nimmt dabei die Fokussierung auf die Themen "Vielfalt" und "Toleranz" ein, zu denen sparten- und generationsübergreifend sowie gemeinwesenorientiert gearbeitet werden soll. Damit hebt sich das Konzept von Zusammenarbeitsformen in den traditionellen Bereichen der Kinder- und Jugendarbeit ab und ermöglicht ein neues problem-, bedarfs- und ressourcenorientiertes Engagement aller verantwortlichen Akteurinnen und Akteure.
Wesentlich ist die Sicherstellung eines hohen Beteiligungscharakters in allen Phasen von praktischen Maßnahmen vor Ort, um insbesondere Jugendlichen durch Partizipation und Teilhabe ein praktisches Demokratieverständnis zu vermitteln und soziale Integration zu ermöglichen. Nach wie vor ist jedoch auch feststellbar, dass sowohl bei Jugendlichen als auch bei Multiplikatorinnen und Multiplikatoren zu wenig Hintergrundwissen zu rechten Ideologien bzw. Methoden und damit Unsicherheiten im Handeln vorhanden sind. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit der Aufklärungsarbeit.
Ein weiterer Handlungsgrundsatz ergibt sich aus der Besonderheit des Landkreises Bautzen und seiner zweisprachigen Bevölkerung. Gegenüber der sorbischen Bevölkerung ist teilweise Fremdenfeindlichkeit vorhanden, insbesondere beim Gebrauch der sorbischen Sprache im öffentlichen Raum. Konkrete Kooperationsprojekte zwischen sorbischen und deutschen Jugendlichen sollen den Abbau von Vorurteilen befördern. Gleiches trifft auch auf die angrenzenden wenig beachteten Nachbarländer zu. Basis für ein harmonisches Zusammenleben bilden im Sinne dieses Konzeptes aber Begegnung und Austausch mit der Hervorhebung gemeinsamer und vergleichender Lebensentwürfe.
Der LAP stellt die Grundlage des gemeinsamen Handelns dar. Konkrete Umsetzungsformen sind von der Koordinierungsstelle in Verbindung mit dem Begleitausschuss (als ein die Basis beteiligendes Instrument) abzustimmen und ggf. mit der Urteilsfähigkeit weiterer kompetenter Netzwerke und Partner zu ergänzen. Wichtig ist dabei der Grundsatz der Nachhaltigkeit, welcher durch die Verstetigung der in Gang gesetzten Prozesse über den LAP realisiert werden soll. Neben der segmentierten praktischen Arbeit werden hier angemessene (zusammenfassende) Methoden über die fachliche Arbeit der koordinierenden Ebenen entwickelt, welche über einen Meilensteinplan die Projektlaufzeit berücksichtigen und Fortschreibungen funktionierender Mechanismen innerhalb des LAP und darüber hinaus gewährleisten.
Auch bei der Umsetzung konkreter Projektideen ist die Einbeziehung vieler verschiedener Institutionen und Personen ausdrücklich angestrebt. Basis bildet der Ansatz der gemeinwesenorientierten Netzwerkarbeit, welcher im Landkreis Bautzen schon teilweise über den Jugendhilfeverbund realisiert wird und besonders den infrastrukturell benachteiligten ländlichen Raum mit einbezieht. Das bedeutet z. B. "anschieben", begleiten, aber auch zum geeigneten Zeitpunkt wieder loslassen, um der Eigeninitiative Raum zu geben. Eine weitere Methode, die sich praxisnah mit ersterem Ansatz ergänzt, ist die soziale Gruppenarbeit.
Möglichst offene Formen der Akteursbeteiligung sollen zum Einsatz kommen, da z. B. im wichtigen Bereich des bürgerschaftlichen Engagements Akteurinnen und Akteure meist abgekoppelt von traditionellen Organisationsformen wie Verbänden, Parteien, Kirchen, ja sogar Vereinen aktiv werden. Dies hängt stark mit den Individualisierungstendenzen der letzten Jahre (in Ostdeutschland seit der Wende) zusammen, welche besonders von jungen Menschen beachtet werden. Gegenwärtig, so zeigen empirische Untersuchungen, sind es eher lose Zusammenschlüsse mit Selbsthilfe- und Selbstentfaltungsansatz, die sich entwickeln und wirksam werden.
Zielgruppen:
Schwerpunktmäßig sollen die Angebote und Aktivitäten Jugendliche im Landkreis Bautzen als Zielgruppe haben, beginnend mit dem Peergroup-Alter bis 25 Jahre. Der Schwerpunkt soll in der Altersspanne von 11-20 Jahren liegen, insbesondere in dieser Altersspanne suchen die Jugendlichen nach Orientierungen, Wertungen und neuen Lebensentwürfen. Im Wesentlichen sollen Jugendliche in Organisationsstrukturen und Sozialisationsinstanzen (z. B. Schule, Ausbildungsstätten) erreicht werden.
Neben kontinuierlich vorhandenen Organisationsstrukturen über Jugendklubs, Jugendeinrichtungen oder Jugendverbände sind hier vorzugsweise Organisationsstrukturen gemeint, die sich für die Durchführung ganz konkreter Aktivitäten und Projekte zusammen finden. Bei der Aufklärungsarbeit im Zusammenhang mit Gewaltprävention und Fremdenfeindlichkeit kann es sinnvoll sein, die Zielgruppe auf Kinder zu erweitern. Darüber hinaus soll eine aktive Arbeit mit aussteigewilligen Jugendlichen und Heranwachsenden aus der rechten Szene erfolgen. Eine weitere wichtige Zielgruppe sind Multiplikatorinnen und Multiplikatoren wie Lehrerinnen und Lehrer, haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Jugendeinrichtungen aber auch aus Ämtern, Kommunalpolitikerinnen und -politiker sowie ein möglichst breites Spektrum an zivilgesellschaftlichen Akteurinnen und Akteuren oder auch interessierten Einzelpersonen. Im Sinne der Zielsetzung des Programms erscheint es sinnvoll, hier möglichst wenige Eingrenzungen vorzunehmen, sondern eher auf das Interesse der Menschen hinsichtlich der Thematik einzugehen.
Zusammensetzung des Begleitausschusses:
Der Begleitausschuss setzt sich zusammen aus Vertreterinnen und Vertretern des Landratsamtes Bautzen, des Kreisjugendamtes, des Jugendhilfeausschusses, des Unterausschusses Jugendhilfeplanung, der Arbeitsgemeinschaft Jugendhilfeverbund und "TrägerverBunt", der Gesellschaft für Bürger und Polizei e. V., des Sächsischen Städte- und Gemeindetages - Kreisverband Bautzen, des Kreissportbundes Bautzen sowie der Beauftragten für Sorbenfragen im Landkreis Bautzen.