Neudietendorf



Demokratie auf dem Acker (DadA) - ein Kooperationsprojekt zwischen dem PARITÄTISCHEN Thüringen und dem Bildungswerk Blitz e. V.

Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner:
Stefan Oßwald

Kontaktdaten:
Der PARITÄTISCHE Wohlfahrtsverband
Landesverband Thüringen e. V.
Bergstraße 11
99192 Neudietendorf
Tel: 036202-26239
Email:
www.paritaet-th.de www.bildungswerk-blitz.de www.demokratie-auf-dem-acker.de
  Durchführung:
Durchführungsort/e: Hermsdorf, Pößneck, Keila, Langenorla und Stadtroda
Bundesland: Thüringen
weitere Länder: -
Förderzeitraum: 09/2007-08/2010

Themencluster:
Früh ansetzende Prävention

Unterthema:
Förderung von Partizipation bzw. die aktive Beteiligung an demokratischen Entscheidungsprozessen

Hauptzielgruppe:
Kinder und jüngere Jugendliche

Kurzbeschreibung:

Leitziele:
Leitziel von "Demokratie auf dem Acker (DadA)" ist es, Eigenengagement und -verantwortung gerade in ländlichen Regionen Ostdeutschlands zu stärken und - damit eng verknüpft - durch frühzeitiges Heranführen an demokratische Partizipationsstrukturen gerade schon für Kinder Identifikation mit der lokalen Lebenswelt zu stiften und sie als Zukunftsträger für die eigene Zukunft zu gewinnen.
2010 steht unter dem Motto "Kinderarmut". Dies will DadA nutzen, um die Öffentlichkeitsarbeit zur Gewinnung von Ehrenamtlichen und weiteren Interessierten, Partnern, Multiplikatorinnen und Multiplikatoren, mit Blick auf die Nachhaltigkeit des Projektes, weiter voranzutreiben. Dementsprechend steht das Thema benachteiligte Kinder und deren Stärkung durch mehr Beteiligung im Vordergrund. Nach wie vor steht die Förderung und Verstätigung des Eigenengagements und der Eigenverantwortung der Kinder in ihrer Region sowie die Arbeit am Demokratieverständnis und der interkulturellen Kompetenz auf dem Projektplan. Mit Blick auf die zurückliegenden Erfahrungen ist es ein weiteres Ziel, die Erwachsenen hinter den Kindern (Eltern, Lehrerinnen und Lehrer, Bezugspersonen) stärker zu erreichen und einzubeziehen. Damit verknüpft werden die nachstehenden Ziele verfolgt:
· "Weiterentwicklung und Verstetigung der Arbeit in den Kindergruppen
· Aufbau/ Durchführung weiterer Tandems
· Interkulturelle Kompetenzen fördern (Austauschprojekt)
· Weiterentwicklung und Verstetigung der Zusammenarbeit mit den Netzwerkpartnern (z. B. ThILLM, Serviceagentur "ganztägig lernen", TMSFG, vor Ort etc.)
· Fortbildungsveranstaltungen für Eltern, Fach- und Führungskräfte sowie für potenzielle Multiplikatorinnen und Multiplikatoren
· Initiierung öffentlichkeitswirksamer Aktionen/ Maßnahmen und kontinuierliche Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
· Organisation und Durchführung einer Abschlussveranstaltung
· Die Endevaluation und mögliche Weiterentwicklung des Modellprojektes
· Akquisition von Ehrenamlichen für die Betreuung der Kindergruppen und von Drittmitteln.
Nicht zuletzt will DadA Verständnis und Engagement für Demokratie und Toleranz und deren manchmal mühsame Entwicklung fördern.

Handlungskonzept:
Eine ausschließlich von Funktionsträgerinnen und -trägern gestaltete Demokratie kann nie lebendig sein, sondern nur durch die Beteiligung aller zur vollen Entfaltung gebracht werden. Vor dem Hintergrund der geringer werdenden Zahl von Kindern, insbesondere im ländlichen Raum, und dem damit verbundenen Risiko als Minderheit nicht berücksichtigt zu werden, macht sich zunehmend, bedingt durch soziale Schieflagen der Bevölkerung gerade in den neuen Bundesländern ein gewisser "Demokratiefrust" breit. Ebenso sind steigende rechtsextreme Tendenzen und Aktivitäten zu beobachten.
Für den PARITÄTISCHEN Thüringen und das Bildungswerk BLITZ e. V. ist das Grund genug, das gemeinsame Projekt "DadA - Demokratie auf dem Acker" voranzutreiben. In einem Netzwerk von Kindern, Eltern, Lehrerinnen und Lehrern, Engagierten und politisch Verantwortlichen werden Beteiligungsformen ausprobiert, die Kinder ermutigen, in ihrer Region Verantwortung zu übernehmen und demokratische Kultur unter Beteiligung aller Generationen zu stärken.
Unter dem Motto "Mit meinem Engagement meine Region verändern, ich weiß auch wie und mit wem." leisten Kindern im ländlichen Raum ihren Beitrag zur nachhaltigen Gestaltung des Gemeinwesens. Ob Mitbestimmung und -gestaltung in der Schule oder die Abstimmung im Gemeinderat zum Thema "Ein Bauwagen für uns im Dorf" und die anschließende, eigenständige Umsetzung des Vorhabens - Kinder können das nicht nur, sie wollen es auch. In der Projektlaufzeit soll getestet werden, wie man Kinder bereits in jungen Jahren an unserer Demokratie beteiligen kann. Es geht darum, sie anhand lebens- und erlebnisnaher Beispiele mit demokratischen Entscheidungsprozessen zu konfrontieren und einzubeziehen.

Weitere Beispiele sind: Spielplatzplanung in Zusammenarbeit mit den kommunalen Entscheidungsträgerinnen und -trägern, Schaffung von Schulregeln seitens der Schülerinnen und Schüler in Zusammenarbeit mit Lehrkräften, Schulhofgestaltung, Veranstaltungen nach eigenen Bedürfnissen planen und umsetzen u. v. m. Das Projekt umfasst unterschiedliche Bausteine, die im Rahmen des Modellprojektes einzeln betrachtet und ausgewertet werden. Die Bausteine des Projekts lassen sich wie folgt überschreiben:
1. Kindergruppen im ländlichen Raum Thüringens (z. B. in der Grundschule Hermsdorf),
2. projektbezogene Budgets,
3. Öffentlichkeitswirksame Maßnahmen - "Verrückte Ideen" (z. B. Wünschewand und -film in Pößneck),
4. Vom Austausch für die Demokratie lernen und
5. Gender Mainstreaming.

Nach den bisherigen Erfahrungen in den Landkreisen vor Ort ist es sinnvoll, verschiedene hoch- und niedrigschwellige Ansätze anzubieten und ihre Wirksamkeit auszutesten, um möglichst viele Kinder zu erreichen und für demokratische Mitbestimmungsformen begeistern zu können. Das bedeutet, Kinder im Alter von 7 bis 14 Jahren aus dem ländlichen Raum sollen in kommunalen Belangen mitbestimmen können. Dies umfasst ihr Wohnumfeld, ihre Schule und ihre Vereine und Gruppen, so sie solchen überhaupt noch angehören. Für die Zielgruppe gibt es differenzierte und aufeinander aufbauende Angebote zur Partizipation. So können sich Grundschülerinnen und -schüler (7-10 Jahre) und 11-14 Jährige in den Projektbausteinen wiederfinden. Manche Maßnahmen werden mit allen gemeinsam stattfinden, da sonst aufgrund der geringen Kinderzahl im ländlichen Raum keine "kritische Masse" entstehen kann. Andere Projektteile werden zielgerichtet mit einer Altersgruppe (z. B. einer Schuljahrgangsstufe) stattfinden. Die Angebote werden geschlechterdifferenziert entwickelt und umgesetzt.

Kooperations- und Netzwerkpartner:
Hauptkooperationspartner für das Projekt sind der PARITÄTISCHE Thüringen und das Bildungswerk Blitz e. V. / Jugendbildungsstätte Hütten. Weitere Kooperationspartner vor Ort sind die regionalisierte Jugendarbeit im Saale-Orla-Kreis und im Saale-Holzland-Kreis sowie die beiden PARITÄTISCHEN Kreisgruppen mit ihren vielfältigen sozialen Einrichtungen. Neben der Stadtverwaltung Pößneck sowie dem Staatlichen Schulamt Jena-Stadtroda, hat sich eine gute Zusammenarbeit mit der Servicestelle "ganztägig lernen" der dkjs und dem ThILLM (Thüringer Institut für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien) entwickelt. Im Rahmen konkreter Vereinbarungen oder gemeinsamer Veranstaltungen sind diese für die Umsetzung des Projektes mitverantwortlich. Kooperationspartner in Bezug auf den Mainstreaming-Prozess sind die Fachgruppen der Kinder- und Jugendhilfe des PARITÄTISCHEN. Der Schwerpunkt liegt insbesondere auf dem Jugendwerk sowie den Arbeitskreisen der Kinder- und Jugendhilfe des PARITÄTISCHEN Gesamtverbandes. Ebenso positiv haben sich die Arbeitsbeziehungen zwischen DadA und dem Sozial- und Kultusministerium entwickelt. Darüber hinaus gibt es enge Kooperationen mit Einzelschulen (z. B. der Grundschule Hermsdorf) im Rahmen von Einzelveranstaltungen oder der kontinuierlichen Arbeit in den Kindergruppen.

Erwartete Ergebnisse:
Im Frühjahr 2009 wurde eine Broschüre zum Thema Partizipation "Wenn Kinder ihre Lebenswelt gestalten" herausgegeben. Eine weitere soll 2010 erscheinen. DadA ist im Fortbildungsprogramm des PARITÄTISCHEN dauerhaft integriert. Die DadA-Präsentation wird nach Projektende im Kontext von "best practice" eingesetzt. DadA ist als Bildungsinhalt in die Fortbildungsangebote für Lehrkräfte aufgenommen. Mit der im September 2009 begonnenen Fortbildung für Beratungslehrerinnen und -lehrer im Schulamtsbereich Gera-Schmölln ist ein erster Schritt getan. Mit Blick auf Schule und regionale Bildungslandschaften ist es Aufgabe und Ziel, dass sich über DadA Schulkultur, schulische und außerschulische Praxis konsequent der Beteiligung und Teilhabe von Kindern verpflichten. Weiterhin sollen mit dem Modellprojekt im Bereich der Kooperation von Schule und freien Trägern Erfahrungen gesammelt werden, die als Ergebnisse des Projektes landesweit in die fachliche Arbeit des PARITÄTISCHEN einfließen und im Rahmen ähnlicher Partnerschaften, Beteiligungsformen von Schülerinnen und Schülern und Planungsprozessen umgesetzt werden können.
Eine ausführliche Handreichung zum Thema Früh ansetzende Prävention im Kontext des Projektes ist angedacht. Zwei kontinuierlich arbeitende Kindergruppen und ein Kinderdorf sind 2010 anvisiert, außerdem die Betreuung einer einjährigen Projektarbeit von Schülerinnen und Schülern zum Thema Demokratie inkl. Aufbau eines Schülerparlaments in Neudietendorf, 2-4 Tandems, 2-3 öffentlichkeitswirksame Maßnahmen in der Modellregion, eine landesweite Abschlussveranstaltung, eine landesweite Veranstaltung im Rahmen des 8. Thür. Bildungssymposiums sowie diverse Veröffentlichungen in PARITÄTISCHEN Medien. Ebenso sind Lobbygespräche mit dem neuen Sozialminsterium geplant. Die Akquisition von Ehrenamtlichen für die Kindergruppen und Drittmitteln bleibt auf der Agenda.