01099 Dresden



Pädagogische Auseinandersetzung mit TäterInnen im Nationalsozialismus

Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner:
Dr. Nora Goldenbogen

Kontaktdaten:
HATiKVA e. V.
Pulsnitzer Straße 10
01099 Dresden
Tel: 0351-8020489
Email:
www.hatikva.de
  Durchführung:
Durchführungsort/e: Dresden, Mittlerer Erzgebirgskreis, Sächsische Schweiz, Weißeritzkreis
Bundesland: Sachsen
weitere Länder: -
Förderzeitraum: 08/2007-07/2010

Themencluster:
Auseinandersetzung mit historischem und aktuellem Antisemitismus

Unterthema:
Zeitgemäße Konzepte für die Bildungsarbeit zum Holocaust

Hauptzielgruppe:
Multiplikatorinnen und Multiplikatoren

Kurzbeschreibung:

Leitziele:
Leitziel: Jugendliche sind sensibel für persönliche Entscheidungen in Wertekonflikten.

Mittlerziele:
Multiplikatorinnen und Multiplikatoren sind motiviert und kompetent, in pädagogischen Settings mit dem Thema "TäterInnen im Nationalsozialismus" umzugehen. Selbstmotivierte jugendliche Multiplikatorinnen und Multiplikatoren sind in der Lage, das Thema gegenüber anderen Jugendlichen zu kommunizieren. Jugendliche wissen, wie Menschen während des NS zu Tätern geworden sind (oder nicht). Sie nehmen Entscheidungssituationen bewusst wahr. Die Modellprojektmitarbeiterinnen sind kompetent, historische Quellen zum Thema "TäterInnen im Nationalsozialismus" für die pädagogische Behandlung aufzubereiten.
Strukturverantwortliche Personen für die Bildungsarbeit in Sachsen nehmen die vom MP erarbeiteten Materialien als Bereicherung für die Bildungsarbeit war.

Handlungskonzept:
Vor Beginn der pädagogischen Arbeit an den Täterbiografien ist auf dem historischen Forschungsfeld nach Möglichkeiten zu suchen, die Faktenbasis zu verbreitern. Dies gilt sowohl hinsichtlich der detaillierten Dokumentation der schon bekannten Biografien als auch im Hinblick auf eine Einbeziehung weiterer Täterinnen und Täter. Dafür steht in erster Linie das Material über das so genannte "Judenlager" Hellerberg zur Verfügung. Die veröffentlichten historischen Quellen werden an den Originalorten aufgesucht, dokumentiert und kontextualisiert. Somit soll bei den verschiedenen Überlieferungswegen eine hinreichende Quellensicherheit erzielt werden. Für die Umsetzung von Gender Mainstreaming und die besondere Berücksichtigung der Biografien von Täterinnen und Tätern wird nach diesen ebenso gesucht, wie nach dem männlichen Rollenverständnis, den Verhaltensdispositionen und Karrierechancen. Dafür gibt es noch keine regionalen wissenschaftlichen Vorarbeiten. Auch hier zeigt sich die Modellhaftigkeit des Projektes. Die Zusammenarbeit erfolgt insbesondere mit der Technischen Universität Dresden und der Stiftung Sächsische Gedenkstätten. Beide haben partiell schon Forschungen zu den Täterinnen und Tätern des Nationalsozialismus (z. B. zu Pirna-Sonnenstein) betrieben. Wichtig ist die Auswertung "grauer" Literatur mit regionalem Bezug.

Gleichzeitig wird ein tragfähiges pädagogisches Konzept für die Einbeziehung der Tätergeschichte des Nationalsozialismus in die Arbeit mit Jugendlichen erarbeitet. Als Zielgruppe werden zunächst die 14-20 Jährigen angesehen. Eine spätere Erweiterung wird angestrebt, ist aber wegen fehlender historischer Kenntnisse jüngerer Jugendlicher besonders schwierig. 2008 können auf dieser Grundlage die ersten Versuche in der pädagogischen Arbeit von Schulen und freien Trägern vorgenommen werden. Dabei wird auf das bewährte Netzwerk von Multiplikatorinnen und Multiplikatoren sowie auf die eigenen Veranstaltungen zurückgegriffen. Mit ihrer Hilfe soll 2009 eine modulare Handreichung mit erprobten Varianten für die pädagogische Arbeit entstehen. Für die Veröffentlichung 2010 soll der Vertrieb über CD-Rom verwendet werden, um Kosten zu sparen.

Kooperations- und Netzwerkpartner:
· Haus der Wannsee-Konferenz Berlin (fachliche Beratung aus der Erfahrung im pädagogischen Umgang mit Täterbiografien);
· Stiftung Sächsische Gedenkstätten (fachliche Zusammenarbeit für die Herstellung der Quellenbasis, Archiv);
· Technische Universität Dresden, Institut für Geschichte, Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte und Didaktik der Geschichte (Unterstützung bei der Einbeziehung der Zielgruppe durch Vermittlung qualifizierender Arbeiten und Praktika der Studierenden);
· Landesarbeitsgemeinschaft "Mädchen und junge Frauen in Sachsen" e. V. (Unterstützung und Evaluierung bei der Durchsetzung des Gender Mainstreaming);
· Verein für regionale Politik und Geschichte Dresden e. V. (Kooperation mit einem Projekt über Helferinnen und Helfer sowie Retterinnen und Retter).

Erwartete Ergebnisse:
Es wird eine modulare Handreichung mit erprobten Varianten für die pädagogische Arbeit entstehen. Für die Veröffentlichung 2010 soll der Vertrieb über CD-Rom verwendet werden, um Kosten zu sparen. Bisherige Erfahrungen, z. B. mit der Handreichung "Judentum erleben", zeigen, dass das Netzwerk "Juden in Sachsen" und die Fortbildungsveranstaltungen von HATiKVA gut geeignet sind, auf diese Weise eine weitreichende Verbreitung zu erzielen. Außerdem werden die Module auf der Website in geeigneter Weise veröffentlicht, voraussichtlich im Rahmen der Internetzeitschrift.

Nach Ende des Projektes steht die modulare Handreichung für die pädagogische Arbeit zur Verfügung. Sie kann durch Erfahrungen aus der Praxis ständig erweitert werden und ist durch die Verwendung regionaler Quellen und die Auseinandersetzung mit der konkreten örtlichen Geschichte leicht an verschiedene lokale Situationen anzupassen. Die Praxisberichte und Vorschläge der Multiplikatorinnen und Multiplikatoren werden kontinuierlich durch HATiKVA veröffentlicht. Regelmäßig ca. drei Mal jährlich werden Fortbildungen und Workshops zur Verwendung der Handreichung angeboten.
Weiterhin werden eigene Jugendbildungsveranstaltungen für 16-20 Jährige durchgeführt und verschiedene Varianten der Auseinandersetzung für jüngere Jugendliche (10-14 Jährige) aufbereitet. Diese Weiterführung erfolgt in enger Zusammenarbeit mit dem Netzwerk "Juden in Sachsen" und in Kombination mit anderen thematischen Angeboten für Multiplikatorinnen, Multiplikatoren und Jugendliche.