
Prora
| Kontaktdaten: Stiftung NEUE KULTUR Objektstraße, Block 3/ Querriegel 18609 Prora Tel: 038393-13991 Email: www.proradok.de www.proradok.de/ seiten_deutsch/ modpro1.html |
Durchführung: Durchführungsort/e: Prora, Insel Rügen Bundesland: Mecklenburg-Vorpommern weitere Länder: - Förderzeitraum: 09/2007-10/2010 |
Themencluster:
Auseinandersetzung mit historischem und aktuellem Antisemitismus
Unterthema:
Zeitgemäße Konzepte für die Bildungsarbeit zum Holocaust
Hauptzielgruppe:
Junge Menschen in strukturschwachen Regionen und Kommunen
Leitziele:
Im Modellprojekt kann durch geschichtliches Lernen am historischen Ort Prora das politische Bewusstsein junger Menschen aktiviert und erweitert werden. Das wirkt rechtsextremen Tendenzen bei diesen Jugendlichen entgegen oder beugt diesen vor. Durch das Anknüpfen an die Lebenssituation der Jugendlichen wird Toleranz und Sensibilisierung gegenüber Minderheiten befördert und damit ein Beitrag zur Gewaltprävention geleistet.
Handlungskonzept:
Die Gegenüberstellung von Schein/ Propaganda und Wirklichkeit im "Dritten Reich", die Kontrastierung von Heilsversprechen und Alltag des Regimes, ist ein bedeutsamer methodischer Ansatz. Er ist für die Arbeit in dem ehemaligen Kraft-durch-Freude (KdF)-Seebad Prora wichtig. Damit werden Aspekte dieser geschichtlichen Epoche deutlich gemacht, die bislang wenig vermittelt wurden, aber für das Verständnis zunehmend an Bedeutung gewinnen.
Inhalt des Modellprojektes ist die Vermittlung von geschichtlichem Wissen über die nationalsozialistische Zeit in Deutschland. Folgende Schwerpunkte wurden dabei gesetzt: Opfer der Diktatur (Antisemitismus auf Rügen und Zwangsarbeit in Prora und auf Rügen), Politische Hintergründe des Bauwerkes in Prora, Arbeits- und Sozialgeschichte 1933-1945, NS-Zeit auf der Insel Rügen sowie die "Volksgemeinschaft".
Module zum geschichtlichen Lernen wurden erarbeitet, unter denen Jugendliche, Multiplikatorinnen und Multiplikatoren auswählen können. Jugendgruppen können Projekttage oder Workshops in Prora im Dokumentationszentrum wahrnehmen und somit an einem historischen Ort Geschichte erfahren. In Prora bietet sich besonders die Verbindung von politischer Bildung und (touristischem) Erleben an einem "steinernen Zeitzeugen" an. Modellhaft ist auch der Umgang mit dem Material für die Jugendlichen. Das zur Verfügung stehende Videomaterial, Dokumente aus Archiven und Fotomaterial, wird in innovativer Weise eingesetzt. Jugendliche bearbeiten unter pädagogischer und wissenschaftlicher Anleitung Videomaterial selbst, filtern Informationen heraus und stellen daraus Bausteine zusammen. So wird eine intensive und persönliche Auseinandersetzung mit den Biografien der Opfer erreicht, die das Einfühlungsvermögen auf subjektiver Ebene fördert.
Die Projekte sind ergebnisorientiert, Schülerfilme oder Ausstellungen werden im Anschluss präsentiert.
In dem Projekt stehen neben der kritischen Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus auch die aktuelle politische Situation, die Rolle der NPD in der gegenwärtigen politischen Landschaft und rechtsextremes Gedankengut, mit dem die Jugendlichen konfrontiert sind, im Mittelpunkt. Historisches Wissen und die Schicksale der Opfer des nationalsozialistischen Systems werden in dem Projekt vermittelt. Die Beschäftigung mit der Geschichte wird dabei mit dem Leben und Erleben der Teilnehmerinnen und Teilnehmer in der aktuellen Welt verknüpft.
Kooperations- und Netzwerkpartner:
· Stadt Sassnitz
· Medientrecker der Landesrundfunkzentrale Mecklenburg-Vorpommern
· Mehrgenerationenhaus Grundtvighaus Sassnitz e. V.
· Lichtspiele Sassnitz e. V.
· Universität Greifswald
· Zentrum für Antisemitismusforschung an der Technischen Universität, Berlin
· Kooperationspartner in Polen: Stiftung Polnisch-Deutsche Aussöhnung, Warschau und Verband ehemaliger Häftlinge, Poznan
Erwartete Ergebnisse:
Mit dem Aufbau von Jugendarbeit im Dokumentationszentrum Prora wird auf die Etablierung dieser Form der Bildungsarbeit hingearbeitet. Die Einbindung in die Bildungsarbeit mit Jugendlichen im Land Mecklenburg-Vorpommern wird angestrebt. Weil Prora ein Anziehungspunkt für Jugendliche ist und die Stiftung NEUE KULTUR bereits Erfahrungen mit der Akzeptanz von Bildungsarbeit hat, geht sie davon aus, dass sich Weiterführungsperspektiven eröffnen werden.
Für das Dokumentationszentrum Prora werden verschiedene Module für geschichtliches Lernen erarbeitet, die eng mit dem Ort verknüpft sind. Methodisch wird der historische Ort in die Arbeit einbezogen. Eine wichtige Grundlage für die Bildungsarbeit sind die Dauerausstellung des Dokumentationszentrums und die vorliegenden Video- und Audiointerviews mit ehemaligen Zwangsarbeitern. In den Projekten mit Jugendlichen wird die eigenständige Auseinandersetzung mit dem Material gefördert, Workshops werden jeweils mit einem Ergebnis abgeschlossen, das im Anschluss präsentiert wird.
Zum Ende des Bewilligungszeitraumes wird ein pädagogischer Materialkoffer fertiggestellt, der von Lehrerinnen und Lehrern sowie Pädagoginnen und Pädagogen, unabhängig von der Zuarbeit der Mitarbeitenden oder der Einrichtung, für Schülerinnen und Schüler genutzt werden kann. Prora wurde als "Ort der Volksgemeinschaft" konzipiert, daher werden für die pädagogischen Materialien vor allem Bereiche der NS-Geschichte thematisiert, die mit dem Begriff "Volksgemeinschaft" zusammenhängen.