64293 Darmstadt

Dialog vor Ort: Kommunale Islamforen

Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner:
Dr. Jürgen Micksch, Ingrid Hoensch

Kontaktdaten:
Interkultureller Rat in Deutschland e. V.
Goebelstr. 21
64293 Darmstadt
Tel: 06151-339971
Email:
www.interkultureller-rat.de
  Durchführung:
Durchführungsort/e: Bundesweites Projekt
Bundesland: Hessen
weitere Länder: Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen, Schleswig-Holstein, Thüringen
Förderzeitraum: 1/2008-12/2010

Themencluster:
Präventions- und Bildungsangebote für die Einwanderungsgesellschaft

Unterthema:
Interkulturelles und interreligiöses Lernen

Hauptzielgruppe:
Migrantinnen und Migranten

Kurzbeschreibung:

Leitziele:
Im gesamten Projektzeitraum sollen bundesweit insgesamt 20 kommunale Islamforen aufgebaut und verstetigt werden, in denen vor Ort relevante Fragen des Zusammenlebens zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen gemeinsam und gleichberechtigt erörtert werden.
Nach einer einjährigen Aufbauphase soll ein kommunales Islamforum, eingebunden in kommunale oder lokale zivilgesellschaftliche Strukturen, inhaltlich und finanziell möglichst eigenständig weiterarbeiten und jährlich mindestens zwei Mal bei Koordinierungstreffen zusammenkommen. Die Sitzungen des Koordinierungsrates der Islamforen in Deutschland dienen dem Kennenlernen und Informationsaustausch sowie der Fortbildung. Neben inhaltlichen Fachvorträgen haben die Beteiligten auch die Möglichkeit, Problemsituationen zur Diskussion zu stellen und gemeinsam Lösungsstrategien zu besprechen.

Handlungskonzept:
Durch Gespräche sind vor Ort zunächst die Rahmenbedingungen zu erheben und zu untersuchen, ob ein kommunales Islamforum sinnvoll und erforderlich ist. Bei einer positiven Analyse sind die Integrations- und Ausländerbeauftragten für die Einrichtung kommunaler Islamforen zu gewinnen. Danach sind relevante islamische Einrichtungen anzusprechen. Zudem sollen Vertretungen jüdischer und christlicher Gemeinden, zivilgesellschaftlicher Einrichtungen und kommunaler Gremien zur Mitarbeit gewonnen werden. Hierdurch sollen schon zu Projektbeginn Kooperationsbeziehungen zwischen Vertretungen muslimischer Einrichtungen und kommunaler Stellen bzw. zivilgesellschaftlicher Institutionen (weiter-)entwickelt bzw. stabilisiert werden. Dieser Prozess nimmt oftmals relativ viel Zeit in Anspruch, in der Regel ist allerdings zu erwarten, dass nach mehreren Gesprächen eine Bereitschaft mindestens zur konkreten Zusammenarbeit entsteht. Nach einer meist aufwändigen Vorbereitung ist dann zum ersten Treffen in einem kleinen Kreis einzuladen. Es sind Grundfragen der Strukturierung und der Teilnehmermobilisierung zu erörtern. Angesprochen werden sollen insbesondere Organisationen und Einrichtungen, in denen sich Jugendliche und Heranwachsende (selbst) organisieren (z. B. Hochschulgemeinden, Jugendverbände, Jugendorganisationen muslimischer oder migrantischer Verbände und Organisationen etc.) oder in denen sie begleitet und betreut werden (Jugendzentren, Jugendämter, Jugendhilfeeinrichtungen etc.). Diese Zugänge sind von großer Bedeutung, um insbesondere auch solche muslimischen Jugendlichen und Heranwachsenden für die kommunalen Islamforen und für den Dialog zu gewinnen, die bislang außerhalb bestehender Dialogstrukturen standen. Gleiches gilt für jene, die ihre Identität nur zu einem Teil aus ihrem religiösen Bekenntnis ableiten und sich damit nicht unmittelbar in einer Stellvertreterrolle wiederfinden, die sie und ihre Positionen im Dialog bindet.

Anschließend ist zu einer konstituierenden Sitzung einzuladen, bei der auch die Bürgermeisterin bzw. der Bürgermeister oder im Landkreis der Landrat bzw. die Landrätin anwesend sein sollte. Insgesamt wird ein solcher Prozess etwa ein Jahr oder auch länger in Anspruch nehmen. Im Rahmen der konstituierenden Sitzung ist die Moderation festzulegen, wobei eine gleichberechtigte Mitwirkung von muslimischen und nicht-muslimischen Persönlichkeiten vorzusehen ist. Auf eine möglichst gleiche Beteiligung von Frauen und Männern ist zu achten.

Kooperations- und Netzwerkpartner:
Das Projekt arbeitet mit dem Rat der Türkeistämmigen Staatsbürger zusammen, in dem viele der türkischen Einrichtungen in Deutschland organisiert sind. Dadurch bestehen Zugänge zu migrantischen gesellschaftlichen, kulturellen, sozialen und religiösen Einrichtungen vor Ort sowie zu Unternehmerinnen und Unternehmern. Darüber hinaus wird das Projekt und seine Umsetzung durch das Deutsche Islamforum beim Interkulturellen Rat unterstützt. Darin sind staatliche Stellen sowie gewerkschaftliche, jüdische, christliche, muslimische und andere Einrichtungen vertreten, die kommunale Zugänge eröffnen. Ebenso erfolgt eine Zusammenarbeit mit den Islamforen in den Bundesländern, in denen unterschiedlichste Kooperationspartner vertreten sind, die weitere Zugänge in den kommunalen Bereich ermöglichen. Besonders wichtig sind dabei die kommunalen Beauftragten für Integration/ Ausländerfragen sowie Hochschulgemeinden und die muslimischen Verbände.
Es wird zudem angestrebt, in den Kommunen wo immer möglich muslimische Frauengruppen mit einzubeziehen. Selbstorganisationen muslimischer Frauen sind zwischenzeitlich in vielen Groß- und Mittelstädten aufgebaut und entwickelt worden (z. B. die Beratungsstelle für muslimische Frauen und Mädchen in Köln). Es bestehen weiterhin gute Kontakte zum HUDA - Netzwerk für muslimische Frauen e. V., zum Kompetenzzentrum muslimischer Frauen und dem Aktionsbündnis muslimischer Frauen in Deutschland, mit denen zusammen gearbeitet wird.
In den Kommunen sind vor allem Vertretungen der städtischen Verwaltung Kooperationspartner und Mitbegründer des Forums. Darüber hinaus bieten andere Institutionen, Organisationen und Einrichtungen (z. B. Polizei, Beratungsstellen, Schulbehörden) ihre Mitarbeit und Kooperation an.

Erwartete Ergebnisse:
Die Erfahrungen beim Aufbau der insgesamt 20 kommunalen Islamforen sind zu sammeln, auszuwerten, mit den beteiligten Akteurinnen und Akteuren auszutauschen und zu dokumentieren. So können sie schon im Projektzeitraum und darüber hinaus von weiteren Kommunen genutzt werden, die sich in ihrem Bereich um ein verbessertes Miteinander von Muslimen und Nicht-Muslimen bemühen. Zum Ende der Projektlaufzeit ist zudem eine Best-Practice-Dokumentation zu erstellen, die sich an Multiplikatorinnen und Multiplikatoren und einflussreiche und lokal deutungsmächtige Akteurinnen und Akteure richtet. Sie bildet die Grundlage dafür, dass auch andere Kommunen vor Ort kommunale Islamforen einrichten. Denn je mehr Multiplikatorinnen und Multiplikatoren in den Gemeinden über die Arbeit der kommunalen Islamforen informiert und für sie gewonnen werden, desto eher und zahlreicher werden weitere Kommunen diese Initiative aufgreifen und den Aufbau von kommunalen Islamforen unterstützen und voranbringen. Der im bisherigen Projektverlauf unter Beteiligung der Akteure verfasste "Orientierungsrahmen zum Aufbau kommunaler Islamforen" steht Interessierten online zur Verfügung. Dort werden Erfahrungen der bisherigen Foren zusammengefasst und Ideen sowie Starthilfen zum Aufbau von Foren gegeben.
Die Arbeit innerhalb der Foren gestaltet sich je nach lokalen Begebenheiten unterschiedlich. So können beispielsweise Arbeitsgruppen zu verschiedenen Themenkomplexen gegründet werden, die eigenständig tätig sind.

Kommunale und landkreisweite Foren sind entstanden und haben ihre Arbeit aufgenommen:
· in Erfurt "FoME - Forum Muslime in Erfurt"
· im Bezirk Berlin Tempelhof-Schöneberg
· im Landkreis Günzburg "Forum Muslime im Landkreis Günzburg"
· in Ludwigshafen "Forum Muslime in Ludwigshafen"
· im Landkreis Reutlingen "Forum muslimischer Frauen im Landkreis Reutlingen"

Vorbereitende Maßnahmen wurden eingeleitet in:
Aachen, Bonn, Darmstadt, Dresden, Düsseldorf, Glückstadt, Göttingen, Hannover, Ingolstadt, Kerpen, Kiel, Limburg, Mainz, Mannheim, München, Schwalbach/ Saarland, Stuttgart, Tübingen und Würzburg.




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