| Kontaktdaten: Landesjugendring Brandenburg Breite Str. 7a 14467 Potsdam Tel: 0331-6207532 Email: Email 2: www.ljr-brandenburg.de www.meine-deine-unsere-geschichten.de |
Durchführung: Durchführungsort/e: Brandenburg / Berlin Bundesland: Brandenburg weitere Länder: Berlin Förderzeitraum: 08/2007-07/2010 |
Themencluster:
Präventions- und Bildungsangebote für die Einwanderungsgesellschaft
Unterthema:
Interkulturelles und interreligiöses Lernen
Hauptzielgruppe:
Junge Menschen in strukturschwachen Regionen und Kommunen
Leitziele:
Ziel des Modellprojektes ist es zu erproben, inwieweit lokale Geschichtsarbeit einen Ansatz interkulturellen Lernens in der außerschulischen Jugendarbeit darstellen kann. Das Hauptziel des Projektes ist die Initiierung "diachroner" wie "synchroner" interkultureller Lernprozesse. "Diachrones" interkulturelles Lernen geschieht durch die Auseinandersetzung mit dem Leben und der Kultur von Menschen in der Vergangenheit. "Synchrones" interkulturelles Lernen findet zwischen Jugendlichen mit Migrationshintergrund und Jugendlichen ohne Migrationshintergrund statt.
Diese interkulturellen Lernprozesse führen zu einem gegenseitigen Kennenlernen zwischen Jugendlichen unterschiedlicher kultureller Prägung und ermöglichen es, die Erfahrung ähnlicher und unterschiedlicher Probleme und Fragestellungen, vor die sich Jugendliche unterschiedlicher kultureller Prägung innerhalb ihres Lebensumfelds gestellt sehen, wahrzunehmen und zu vergleichen. Zudem wird ermöglicht, zu erfahren dass Wanderungsbewegungen ein typisches Phänomen im 20. Jahrhundert waren, für die es Beispiele des Gelingens und des Misslingens gibt.
Auch der Abbau von Vorurteilen und Ressentiments ist Ziel des Projektes, ebenso sollen Jugendliche in ihrer personalen Identität gestärkt und die Entwicklung einer stabilen Lebensperspektive unterstützt werden. Begegnungen für Jugendliche aus dem strukturschwachen Raum mit Jugendlichen mit Migrationshintergrund zielen auf die Förderung der Ambiguitätstoleranz des einzelnen Jugendlichen ab.
Handlungskonzept:
Im Projekt beschäftigen sich Berliner und Brandenburger Jugendliche in Gruppen mit spezifischen Aspekten der Geschichte ihres Kiezes oder Stadtbezirks. Sie erleben sich selbst als Bestandteil und Akteurin bzw. Akteur des Sozialraums. Hierzu werden Jugendliche in Initiativgruppen, Vereinen, Jugendverbänden oder bestehenden Gruppen (z. B. Schulklassen) aufgerufen, sich zusammenzuschließen, um an der Erforschung der eigenen Lokalgeschichte des 20. Jahrhunderts zu arbeiten. Der inhaltliche Fokus liegt dabei auf Migration. Durch eine Zusammenarbeit mit Migranten(selbst)-organisationen sollen vor allem auch Jugendliche mit Migrationshintergrund angesprochen werden. In Brandenburg stellen bspw. Wanderungsbewegungen im ländlichen Raum im Zuge der Industrialisierung, des Nationalsozialismus, der Flucht, Vertreibung und Neuansiedlung nach dem Zweiten Weltkrieg, der ländliche Raum in der DDR, die Zeit der Wende und Zuwanderung nach Brandenburg in den 90er Jahren inhaltliche Schwerpunkte dar. Ein Augenmerk wird auf das Thema demografische Entwicklung unter dem Aspekt von Migrationsbewegungen gelegt.
Durch die Begegnungsmöglichkeiten für die Jugendlichen aus den verschiedenen lokalen Geschichtsprojekten findet ein inhaltlicher Austausch über die Beschäftigung mit der/ den jeweiligen Geschichte(n) statt. So lassen sich Problematiken finden, die zu unterschiedlichen Zeiten und an unterschiedlichen Orten gleichermaßen die Menschen beschäftigt haben. Ziel ist es, deutlich zu machen, dass Zuwanderung und Integration im 20. Jahrhundert verbreitete Phänomene waren. Durch die Auseinandersetzung mit gelungenen und misslungenen Integrationsprozessen in der Geschichte können Jugendliche lernen, worauf es bei Fragen des Zusammenlebens von Menschen unterschiedlicher kultureller Prägung ankommt. Hier erhält die Zusammenarbeit von Berliner und Brandenburger Jugendgruppen und von Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund eine besondere Bedeutung.
Seit 2009 sind auch Gruppen aus Polen einbezogen. Z. B. in Bezug auf die Migrationsgeschichte nach dem Zweiten Weltkrieg ergeben sich durch den Austausch deutscher und polnischer Projekte Möglichkeiten des interkulturellen Lernens.
Kooperations- und Netzwerkpartner:
Das Projekt wird von den Landesjugendringen Brandenburg und Berlin gemeinsam durchgeführt.
Kooperationspartner:
· Stiftung Demokratische Jugend
· Anne Frank Zentrum Berlin
· RAA Brandenburg
· Medienwerkstatt "Metaversa e. V. - Verein für Medien, Bildung und Kultur"
· Jugendbund djo-Regenbogen
· Projekt denk!mal des Berliner Abgeordnetenhauses
Weitere Kooperationen bestehen mit: Migranten(selbst)organisationen, Partnern aus dem Bereich zeitgeschichtlicher Forschung und interkulturelle Bildung sowie dem Integrationsbeauftragten von Berlin.
Projektbeirat
Mitglieder sind Expertinnen und Experten verschiedener Institutionen und der Verwaltung, darunter Vertreterinnen und Vertreter der Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung Berlin, des Ministeriums für Bildung, Jugend und Sport Brandenburg, des Anne Frank Zentrums, des Netzwerkes Migration Europa, des Büros des Berliner Integrationsbeauftragten, der Universität Hannover sowie der Landesjugendringe Berlin und Brandenburg.
Erwartete Ergebnisse:
Die Verknüpfung von lokaler Geschichtsarbeit und interkulturellen Lernprozessen kann bei erfolgreicher Erprobung in verschiedener Form in vorhandene Programme der außerschulischen historisch-politischen Bildungsarbeit integriert werden. Der Ansatz soll in Strukturen der Jugendarbeit implementiert werden.
Das Modellprojekt erprobt einen didaktischen Ansatz im interkulturellen Lernen, der in andere Maßnahmen übertragen werden soll. Die Kooperation mit Partnern und die Initiierung von Projekten zielen bereits darauf ab, Partner in ihrem Engagement dabei zu unterstützen, gemeinsam Angebote zu entwickeln und durchzuführen. Ergebnisse dieser Maßnahmen werden die Einbindung der Arbeit in regionale und überregionale Arbeitszusammenhänge und der Aufbau eines Netzwerkes von Akteurinnen und Akteuren und Institutionen sein. Die Ausbildung von Multiplikatorinnen und Multiplikatoren, die interkulturelles Lernen durch Beschäftigung mit der Lokalgeschichte in bestehende Strukturen der Jugendarbeit einbringen, soll ebenso umgesetzt werden wie ergebnisgestützte Weiterbildungsseminare, beispielsweise für Jugendkoordinierende und Lehrkräfte.
Die Ergebnisse der einzelnen lokalgeschichtlichen Projekte werden durch die Jugendgruppen selbst dokumentiert. Die mediale Umsetzung der Dokumentation wird von den Gruppen entschieden.
Eine systematische Dokumentation der "diachronen" und "synchronen" interkulturellen Lernprozesse erfolgt im Rahmen des Gesamtprojektes. Hier sind vor allem Print-Veröffentlichungen für die Fachöffentlichkeit geplant, z. B. eine Arbeitshilfe für Jugendgeschichtsarbeit. Eine (Selbst-)Evaluation der einzelnen Maßnahmen erfolgt ebenfalls. Die Website ist ein Informationstool mit aktuellen Hinweisen und gibt einen Überblick zur Migrationsgeschichte und zum interkulturellen Geschichtslernen.