| Kontaktdaten: Zentralrat der Juden in Deutschland Tucholskystr. 9 10117 Berlin Tel: 0172-7272589 Email: www.zentralratdjuden.de www.likrat.de |
Durchführung: Durchführungsort/e: An Schulen in Baden-Württemberg und Bayern Bundesland: Baden-Württemberg weitere Länder: Bayern, Großraum Köln (in Vorbereitung) Förderzeitraum: 08/2007-07/2010 |
Themencluster:
Auseinandersetzung mit historischem und aktuellem Antisemitismus
Unterthema:
Zeitgemäße Konzepte für die Bildungsarbeit zum Holocaust
Hauptzielgruppe:
Multiplikatorinnen und Multiplikatoren
Leitziele:
Der Zentralrat möchte mit dem Modellprojekt Likrat neue Wege im Bereich der Prävention gegen Antisemitismus einschlagen, entwickeln und umsetzen. Ein Erkenntnisgewinn über neue Möglichkeiten in diesem Bestreben wäre eine wichtige Voraussetzung für zukünftiges Handeln in diesem Bereich. Die Evaluierung der Begegnungen soll darüber hinaus so konzipiert sein, dass aus der Erfahrungsauswertung von Schülerinnen und Schülern sowie Lehrerinnen und Lehrern pädagogisches Lehrmaterial entwickelt werden kann. Am Ende sollte ein Kompendium entstehen, das als Leitfaden für die Umsetzung des Konzeptes für einen pädagogisch-methodischen Ansatz dienen soll.
Diese Form des Austausches könnte einen festen Platz in der Umsetzung der Bildungspläne der Länder finden. Sollte sich das Projekt wie erwartet bewähren, wird eine Übertragung des Programms auf weitere Regionen in Deutschland und Europa angestrebt.
Handlungskonzept:
Auf der Suche nach neuen Konzepten zur Auseinandersetzung mit historischem und aktuellem Antisemitismus stieß der Zentralrat der Juden in Deutschland auf das Schweizer Jugend- und Dialogprojekt Likrat (hebräisch: In Begegnung). Die Idee des Projektes ist es, jüdische Jugendliche zwischen 16 und 18 Jahren zu befähigen, sich und ihr Judentum vor einer Schulklasse vorzustellen. Durch ein mehrstufiges Schulungsprogramm werden die jüdischen Jugendlichen auf diese Aufgabe vorbereitet. Sie nehmen an Intensivkursen zur jüdischen Geschichte, zu Fragen der jüdischen Tradition, zum christlich-jüdischen Dialog und zu Rhetorik und Diskussionsführung teil. Dann gehen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bereits in die Schulen. Dort präsentieren sie sich und kommen mit den Schülerinnen und Schülern ins Gespräch, die oft zum ersten Mal in ihrem Leben mit einer Jüdin oder einem Juden zusammentreffen.
In diesem Konzept erkannte der Zentralrat die Möglichkeit die stereotype Wahrnehmung von Juden bei Jugendlichen, durch eine alterskonforme Begegnung mit jüdischen Jugendlichen zu durchbrechen. Judentum soll als lebendiger Bestandteil der deutschen Gesellschaft wahrgenommen und nicht auf die Konfrontation mit dem Holocaust reduziert werden. Schon die Begegnung mit jüdischen Jugendlichen, die sich nicht auf die, oftmals aus Unwissenheit zugeschriebene, Opferrolle festgelegt sehen möchten, ermöglicht eine unbefangene Annäherung an den historischen Kontext. Dies wird den jüdischen wie nichtjüdischen Jugendlichen als auch der Auseinandersetzung mit der Geschichte des Holocaust besser gerecht.
Das Hauptaugenmerk dieses Projektes liegt auf dem Versuch, über die Begegnung mit jüdischen Jugendlichen und Informationen zum Judentum, antisemitischen Ressentiments entgegenzuwirken. In der Begegnung mit jungen Jüdinnen und Juden wird ein lebendiges, bleibendes und bildendes Erlebnis ermöglicht. Das Spannende an dieser Form des Dialogs ist, dass allein durch die Gleichaltrigkeit Sozialisationskonformität der Vortragenden und Zuhörenden sowie Nähe geschaffen wird. Die Bereitschaft seitens der Schülerinnen und Schüler zu einem Gespräch, erhöht sich durch die Tatsache, dass die jüdischen Jugendlichen der gleichen Generation der gleichen Gesellschaft angehören und so mit einem ähnlichen Erfahrungshorizont aufgewachsen sind. Diese Konstellation wirkt sich auch in der anderen Richtung positiv aus, denn auch die jüdischen Jugendlichen können sich aus diesem Grund oft besser auf ihre Altersgenossen einlassen.
Die Hauptzielgruppe sind Schülerinnen und Schüler an deutschen Schulen, die keinen bzw. wenig Kontakt zu deutschen Jugendlichen jüdischen Glaubens hatten.
Bestandteil des Konzeptes ist auch die intensive Einbeziehung der Lehrerinnen und Lehrer. Sie sollen sowohl als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren von den Intentionen des Projektes überzeugt, wie auch als kompetente und kritische Betrachterinnen und Betrachter der Methodik gewonnen werden.
Nicht zuletzt werden auch die jüdischen Jugendlichen, die das Projekt durchlaufen, sensitiver und effektiver den Ressentiments des Alltages entgegen können.
Kooperations- und Netzwerkpartner:
· Dietmar-Hopp-Stiftung (finanzielle Unterstützung)
· Jüdische Gemeinden (Einbindung als Multiplikatoren und zur Kontaktvermittlung)
· Hochschule für Jüdische Studien (administrative Ansiedlung des Projektes, fachliche und technische Unterstützung)
· Kultusministerien (als Ansprechpartner über inhaltliche Ansätze für den Bildungsplan und zur Kommunikation mit den Schulen)
· Die Kirchen/ Dekanate (die naheliegende Einbindung der Kirchen, der Religionslehrerinnen und -lehrer sowie der Religionslehre und der Jugendverbände ist anvisiert)
· Schulen (durch die Konzeption des Projektes LIKRAT sind die Schulen die zentralen Orte der Projektarbeit. Eine intensive Zusammenarbeit, inklusive einer Weiterführung gewonnener Kontakte, ist geplant.)
Erwartete Ergebnisse:
Das Konzept versucht die stereotype Wahrnehmung von Juden bei Jugendlichen durch eine alterskonforme Begegnung mit jüdischen Jugendlichen zu durchbrechen. Judentum soll als lebendiger Bestandteil der Gesellschaft wahrnehmbar gemacht und nicht auf die Konfrontation mit dem Holocaust reduziert werden.