10117 Mitte



Likrat - Jugend und Dialog

Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner:
Susanne Benizri

Kontaktdaten:
Zentralrat der Juden in Deutschland
Tucholskystr. 9
10117 Berlin
Tel: 0171-3043218
Email:
www.zentralratdjuden.de www.likrat.de
  Durchführung:
Durchführungsort/e: An Schulen in Baden-Württemberg und Bayern
Bundesland: Baden-Württemberg
weitere Länder: Bayern, NRW
Förderzeitraum: 08/2007-07/2010

Themencluster:
Auseinandersetzung mit historischem und aktuellem Antisemitismus

Unterthema:
Zeitgemäße Konzepte für die Bildungsarbeit zum Holocaust

Hauptzielgruppe:
Multiplikatorinnen und Multiplikatoren

Kurzbeschreibung:

Leitziele:
Nicht-Juden und Juden in Deutschland nehmen einander vorurteilsfrei wahr und gehen unbefangen miteinander um.

· Für jüdische Jugendliche
Likratinas/ Likratinos haben eine gefestigte und reflektierte jüdische Identität ausgebildet und stellen diese dar
Likratinas/ Likratinos übernehmen durch ihr Engagement Verantwortung in der Gesellschaft

· Für nichtjüdische Jugendliche
Schülerinnen und Schüler haben einen unbefangenen Zugang zum Judentum
Schülerinnen und Schüler nehmen Juden differenziert wahr und vermeiden stereotype Wahrnehmungen

· Für Lehrerinnen und Lehrer
Sie fühlen sich bei der Vermittlung der Wahrnehmung des Judentums unterstützt

· Für die Fachöffentlichkeit (Kultusministerien, Jugendorganisationen etc.)
Die Fachöffentlichkeit nimmt Likrat als neuen didaktischen Ansatz wahr

Handlungskonzept:
Auf der Suche nach neuen Konzepten zur Auseinandersetzung mit historischem und aktuellem Antisemitismus stieß der Zentralrat der Juden in Deutschland auf das Schweizer Jugend- und Dialogprojekt Likrat.

Likrat ist Hebräisch und heißt "in Begegnung". Das gleichnamige Projekt sucht die Begegnung unter Jugendlichen mit unterschiedlichen religiösen Hintergründen. Junge Jüdinnen und Juden stellen in Zweierteams ihr Judentum in Schulklassen vor. Das Spannende an dieser Form des Dialogs ist, dass durch die Gleichaltrigkeit der Dialogpartner Nähe geschaffen wird und sich ein Gespräch "auf Augenhöhe" entwickelt.
Likrat-Begegnungen ermöglichen ein lebendiges, bleibendes und bildendes Erlebnis. Auf diese Weise möchte das Projekt Schülerinnen und Schülern einen unbefangenen Zugang rund um das Thema Judentum geben. Darüber hinaus hilft es stereotype Wahrnehmungen zu durchbrechen und stattdessen ein gegenwartsbezogenes Judentum zu vermitteln.
Jüdische Jugendliche werden in vier Wochenendseminaren für die Begegnungen ausgebildet. In Workshops werden Themen zu jüdischer Religion, Geschichte und Kultur erarbeitet. Darüber hinaus durchlaufen die jüdischen Jugendlichen ein Rhetorik- und Präsentationstraining. Sowohl die Ausbildung "zur Likratina/ zum Likratino" als auch die darauffolgenden Begegnungen stärken ihre jüdische Identität und helfen ihnen, Ressentiments im Alltag sensitiver und effektiver entgegen treten zu können.

Teil des Konzepts ist es, dass Likrat von Anfang an einer internen Projektevaluation unterzogen wird. Mit Hilfe von Fragebögen wird erhoben, wie Schülerinnen und Schüler die Likrat-Begegnung bewerten und was sie aus dieser mitnehmen. Die Atmosphäre in den Likrat-Begegnungen spielt hier ebenso eine Rolle wie die Vermittlung von Informationen über das Judentum.

Likrat wendet sich an Schülerinnen und Schüler aller Schultypen, sucht aber seit etwa einem Jahr verstärkt die Begegnungen mit muslimischen Jugendlichen. Diese differenzieren oft nicht zwischen Juden und Israelis und können sich gar nicht vorstellen, dass jüdische Jugendliche als Minderheit in Deutschland ähnliche Anfeindungs- und Ausgrenzungserfahrungen machen wie sie.
Likrat setzt genau hier an und bietet jungen Juden und Muslimen im Dialog die Gelegenheit, religiöse und kulturelle Gemeinsamkeiten zu entdecken und einander losgelöst vom Nahostkonflikt wahrzunehmen.

Kooperations- und Netzwerkpartner:
· Dietmar-Hopp-Stiftung (finanzielle Unterstützung)
· Jüdische Gemeinden (Einbindung als Multiplikatoren und zur Kontaktvermittlung)
· Hochschule für Jüdische Studien (administrative Ansiedlung des Projektes, fachliche und technische Unterstützung)
· Kultusministerien (als Ansprechpartner über inhaltliche Ansätze für den Bildungsplan und zur Kommunikation mit den Schulen)
· Die Kirchen/ Dekanate (die naheliegende Einbindung der Kirchen, der Religionslehrerinnen und -lehrer sowie der Religionslehre und der Jugendverbände ist anvisiert)
· Schulen (durch die Konzeption des Projektes LIKRAT sind die Schulen die zentralen Orte der Projektarbeit. Eine intensive Zusammenarbeit, inklusive einer Weiterführung gewonnener Kontakte, ist geplant.)

Erwartete Ergebnisse:
· Stereotype Wahrnehmung von Juden bei Jugendlichen durch eine alterskonforme Begegnung mit jüdischen Jugendlichen durchbrechen.
· Judentum als lebendigen Bestandteil der Gesellschaft wahrnehmbar machen und nicht auf die Konfrontation mit dem Holocaust reduzieren.
· Interne Projektevaluation als Mittel der zielgerichteten und professionellen Qualitätssicherung:
1. Beobachtung der Effektivität der Begegnungen mittels Pre- und Postfragebögen.
2. Evaluation der Ausbildung der jüdischen Jugendlichen, um auch auf dieser Ebene eine Optimierung zu erreichen.
· Regelmäßige Begegnungen in Baden-Württemberg (v. a. Metropolregion Rhein-Neckar) und Bayern (v. a. Großraum München) kontinuierlich weiterführen und stetig ausbauen.
· Zusammenarbeit mit jüdischen Gemeinden und Jugendorganisationen verstärken, indem jüdische Jugendliche zu den Likrat-Ausbildungsseminaren geschickt werden.
· Übertragung des Projekts auf NRW und Berlin hat begonnen: 25 jüdische Jugendliche stehen kurz vor dem Abschluss ihrer Ausbildung als Likratina/o. Erste Begegnungen sind bereits geplant.
· Das Modellprojekt Likrat entwickelte sich zu einem bundesweit anerkanntem Projekt innerhalb der Angebote zu interkulturellem und interreligiösem Lernen.
· Die Übertragung des Programms auf weitere Regionen in Deutschland und Europa ist angestrebt.