10999 Kreuzberg

Pädagogische Module gegen Antisemitismus für muslimisch geprägte Jugendliche

Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner:
Aycan Demirel, Mirko Niehoff

Kontaktdaten:
Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus (KlgA) e. V.
Oranienstr. 34
10999 Berlin
Tel: 030-69565865
Email:
www.kiga-berlin.org
  Durchführung:
Durchführungsort/e: Berlin
Bundesland: Berlin
weitere Länder: Hamburg, Niedersachsen, Hessen, NRW, Bayern
Förderzeitraum: 10/2007-04/2010

Themencluster:
Auseinandersetzung mit historischem und aktuellem Antisemitismus

Unterthema:
Antisemitismus bei jugendlichen Migrantinnen und Migranten

Hauptzielgruppe:
Migrantinnen und Migranten

Kurzbeschreibung:

Leitziele:
Ziel ist es, pädagogische Konzepte für die schulische Auseinandersetzung mit den verschiedenen Ausprägungen des aktuellen Antisemitismus zu entwickeln. Dabei sollen zielgruppenadäquate Module erarbeitet werden, die die Lebensrealitäten, Alltagserfahrungen und Einstellungsmuster muslimisch geprägter Jugendlicher in besonderem Maße berücksichtigen.
Dabei geht es um die Vermittlung von rationalen und demokratischen Kompetenzen im Sinne einer präventiven Bildungsarbeit gegen Antisemitismus. In diesem Zusammenhang steht die kritische Hinterfragung religiöser, nationalistischer und islamistischer Deutungsmuster, die Förderung eines aufgeklärten, rationalen Geschichts- und Politikverständnisses sowie die Förderung von Selbstbewusstsein, Ich-Stärke, Medienkompetenz und Empathie im Vordergrund. Darüber hinaus geht es um die Dekonstruktion kollektiver Identitätskonzepte durch die Förderung multi-identitärer Selbst- und Welt-Konzeptionen.

Überdies gilt es den vielfach vorhandenen und artikulierten Hilflosigkeiten von Pädagoginnen und Pädagogen sowie Multiplikatorinnen und Multiplikatoren im Umgang mit aktuellen Erscheinungsformen antisemitischer Denk- und Deutungsmuster entgegenzuwirken. Daher geht es um eine inhaltliche wie auch methodisch-didaktische Qualifizierung von Pädagoginnen und Pädagogen - mehrheitlich mit einem muslimisch geprägten Migrationshintergrund - im Themenfeld "Pädagogik gegen Antisemitismus". Währenddessen geht es um eine Auseinandersetzung mit theorie- und praxisorientierten Fragestellungen.

Handlungskonzept:
Bisherige Projektergebnisse:
In der ersten Phase des Modellprojekts erarbeitete die KIgA zwei Unterrichtseinheiten zu den Themen "Nahost-Konflikt" und "Islamistischer Antisemitismus" für die Sekundarstufe I an Haupt- und Realschulen.
In der zweiten Projektphase entwickelte die KIgA zwei Unterrichtseinheiten zu den Themen "Nahostkonflikt" und "Antisemitismus im Kontext von Ökonomiekritik" für die gymnasiale Oberstufe.
Die Unterrichtseinheiten sollen die Selbstreflexion und eine Perspektiverweiterung bei den Jugendlichen anregen. Des Weiteren schulen sie Kritikfähigkeit und fördern Empathievermögen. Methodisch wird dabei Wert auf die aktive Partizipation, eigenständiges Arbeiten sowie handlungsorientiertes und kooperatives Lernen gelegt. Alle Bildungseinheiten wurden in Kooperation mit Berliner Schulen entwickelt und erprobt.
Im Jahr 2009 fanden als Teil des Modellprojekts zwei Fortbildungen statt, die Lehrerinnen und Lehrer sowie Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter aus Berlin zum Thema "Antisemitismus in der Migrationsgesellschaft" schulten.
Teil des Modellprojekts war auch die Organisation und Durchführung einer einjährigen Qualifizierungsmaßnahme für Pädagoginnen und Pädagogen der außerschulischen Bildungsarbeit. Die Fortbildung diente zur Sensibilisierung der Teilnehmenden zum Themenfeld Antisemitismus, der Wissensvermittlung zu Entstehung, Verbreitung, Inhalt, Wesen und Erscheinungsformen des Antisemitismus, der Beleuchtung von Funktionen und Ursachen antisemitischer Denk- und Deutungsmuster sowie dem Aufzeigen pädagogischer Interventionsmöglichkeiten. Den Abschluss der Fortbildung bildete eine Bildungsreise nach Israel, die durch eine Kooperation mit der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft sowie der Gedenkstätte Yad Vashem (Israel) ermöglicht wurde.

Projektvorhaben im Jahr 2010:
Im Jahr 2010 werden die entwickelten Unterrichtseinheiten sowie die in den Anwendungen gewonnenen Erfahrungen und Erkenntnisse an interessierte Pädagoginnen und Pädagogen vermittelt. Hierfür sind zwei Fachtagungen und eine Fortbildungsreihe in mehreren Bundesländern geplant.
Im Mai findet in Kooperation mit der Bundeszentrale für politische Bildung eine Fachkonferenz zum Thema Pädagogik gegen Antisemitismus statt. Im September wird die KIgA in Kooperation mit der evangelischen Akademie Loccum eine Tagung zum Thema Antisemitismus in der Migrationsgesellschaft durchführen. Schwerpunkte der Tagung werden neben den wissenschaftlichen Debatten zum Antisemitismus auch die Vorstellung und Diskussion der von der KIgA entwickelten Ansätze und Unterrichtseinheiten sein. Zusätzlich sind Fortbildungsseminare für Pädagoginnen und Pädagogen der schulischen und außerschulischen Bildungsarbeit in Kooperation mit verschiedenen Trägern geplant. In den Seminaren werden die Teilnehmenden befähigt, die von der KIgA erstellten Unterrichtseinheiten eigenständig anzuwenden.
Des Weiteren führt die KIgA im Jahr 2010 ein außerschulisches Bildungs- und Begegnungsprojekt durch, in dem sich Jugendliche mit Migrationshintergrund mit Fragen der Identität, Heimat, Migration und des Nahostkonflikts beschäftigen. Den Abschluss des Projekts bildet eine Bildungsreise nach Israel und in die palästinensischen Gebiete.

Kooperations- und Netzwerkpartner:
· Eberhard-Klein-Oberschule (kombinierte Haupt- und Realschule, Berlin-Kreuzberg)
· Albert-Schweitzer-Gymnasium (Berlin-Neukölln)
· Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“
· Bundeszentrale für politische Bildung
· Landesinstitut für Schule und Medien Berlin/ Brandenburg
· KZ-Gedenkstätte Neuengamme
· Verein Arbeit und Leben e. V. (DGB) Hamburg
· DGB-Jugend NRW
· Bayerisches Bündnis für Toleranz - Demokratie und Menschenwürde schützen
· VIA Bayern - Verband für interkulturelle Arbeit e. V.
· Evangelische Akademie Loccum
· ConAct - deutsch-israelischer Jugendaustausch

Erwartete Ergebnisse:
1. Zum Ende des Modellprojektes sind vier schulische Bildungsmodule zu zentralen Themenbereichen im Kontext des aktuellen Antisemitismus im Sinne einer präventiven Bildungsarbeit fertig gestellt. Zu allen vier Modulen sind ausführliche Handreichungen erarbeitet. In diesen werden alle Lernziele, Verlaufs- und Methodenbeschreibungen, Tipps und Materialien dargestellt bzw. zur Verfügung gestellt.
2. Mehrere Tagungen mit bundesweitem Radius gewährleisten die Etablierung und Verbreitung der pädagogischen Konzepte und Ansätze.
3. Mehrere Fortbildungsseminare in Kooperation mit unterschiedlichen Partnern im gesamten Bundesgebiet ermöglichen die Implementierung der pädagogischen Konzepte und Ansätze. Um eine möglichst hohe Qualitätssicherung im Sinne adäquater Nachhaltigkeit gewährleisten zu können, ist die Ausgabe der Handreichungen, auch über die Projektlaufzeit hinaus, an die Teilnahme entsprechender Fortbildungsseminare gekoppelt.
4. Der separat qualifizierte Kreis der Teamerinnen und Teamer kann die erworbenen Kenntnisse in der Bildungsarbeit nach dem Projektende dauerhaft umsetzen.
5. Weitere Fortbildungskonzepte seitens der KIgA sind nach Beendigung der Projektlaufzeit in Referenz auf den Ansatz und die Erfahrungen der Teamerqualifizierung geplant.




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