Nürnberg

Wenn Mokkatassen sprechen - Mediale Konzepte gegen Antisemitismus

Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner:
Michaela Baetz

Kontaktdaten:
IMEDANA
Institut für Medien- und Projektarbeit e. V.
Arbeitsgruppe Forum FrauenGeschichte
Kopernikusplatz 12
90459 Nürnberg
Tel: 0911-534646
Email:
www.imedana.de www.forumfrauengeschichte.de www.mokkatasse-gegen-antisemitismus.de
  Durchführung:
Durchführungsort/e: Mittelfranken, Nürnberg, Erlangen, Fürth, Ansbach
Bundesland: Bayern
weitere Länder: -
Förderzeitraum: 09/2007-08/2010

Themencluster:
Auseinandersetzung mit historischem und aktuellem Antisemitismus

Unterthema:
Zeitgemäße Konzepte für die Bildungsarbeit zum Holocaust

Hauptzielgruppe:
Junge Menschen in strukturschwachen Regionen und Kommunen

Kurzbeschreibung:

Leitziele:
1. Jugendliche sollen unterstützt werden, sich mit Nationalsozialismus sowie historischem und aktuellem Antisemitismus auseinander zu setzen und gegen Rechtsextremismus Position zu beziehen.
2. Es werden Konzepte und pädagogische Hilfsmittel erstellt, die einen jugendgerechten Einstieg in historischen Antisemitismus und Nationalsozialismus sowie eine offene Auseinandersetzung von Jugendlichen mit diesen Themen ermöglichen sollen.
3. Recherche und Erschließung von historischem Quellenmaterial und dessen jugendgerechte Aufarbeitung.
4. Ein pädagogisch aufbereiteter und didaktisch strukturierter multimedialer Datenpool wird erstellt, der Jugendlichen die Möglichkeit zur selbständigen oder angeleiteten "Forschung" anbieten und zur eigenständigen weiterführenden Recherche in der eigenen Umgebung einladen soll.
5. Die während des Arbeitsprozesses entwickelten pädagogischen Konzepte und die Kriterien für die Aufbereitung des historischen Materials werden dokumentiert und für andere Einrichtungen nutzbar gemacht.

Handlungskonzept:
Gemeinsam mit Jugendlichen werden Fragestellungen und Konzepte zu den Themen Nationalsozialismus sowie Geschichte und Erscheinungsformen von Antisemitismus erarbeitet. Diese bilden die Grundlage für die Entwicklung eines Datenpools (als multimediale Materialsammlung auf CD-Rom), der dann Jugendlichen, Multiplikatorinnen und Multiplikatoren in der Bildungsarbeit zur Verfügung gestellt wird.

Im Datenpool werden historische Dokumente mit der Darstellung persönlicher Erfahrungen und vertiefenden Informationsangeboten verknüpft. Die digitalisierte Form des Datenpools ermöglicht bspw. auch das Einblenden "sprechender Objekte": Eine Mokkatasse, die als einziges Erinnerungsstück die Zerstörungen der Reichspogromnacht überlebt hat und deren Geschichte heute von der damals 12-jährigen Zeitzeugin erzählt wird. Auch erschließen sich bspw. die Auswirkungen der "Nürnberger Gesetze" auf das Leben der Einzelnen erst durch die ergänzenden konkreten Zeitzeugen-Berichte. So vermitteln historische NS-Dokumente die notwendige Anschaulichkeit über das Ausmaß antisemitischer Ausgrenzung. Im vertiefenden Informationsbereich des Datenpools werden Hintergrundinformationen angeboten.

Die Erfahrungen in der Arbeit mit Jugendlichen zum Themenkomplex Nationalsozialismus zeigen, dass es (v. a. "bildungsfernen") Jugendlichen schwer fällt, Bezüge zwischen historischen Fakten und deren Bedeutung für ganz konkrete Menschen und ihrer eigene Lebenssituation herzustellen. Hier sind multiperspektivische Ansätze gefordert.
Zudem gilt es, keine fertigen Antworten zu geben, sondern mit Konzepten, die interaktiv angelegt sind, die selbständige Aneignung bei der Zielgruppe zu fördern. Darüber hinaus erfordert Bildungsarbeit mit Jugendlichen zum Thema Nationalsozialismus es heute, eine geschlechterdemokratische Perspektive herzustellen und die unterschiedlichen Voraussetzungen der Zielgruppe (Bildungsgrad, kulturelle Herkunft) zu berücksichtigen. Ein Datenpool bietet keine vorgefertigten Abläufe, sondern fordert zur eigenständigen Erkundung des Themas heraus und bietet Hintergrundinformationen: entdeckendes Lernen fördert die Motivation.

Kooperations- und Netzwerkpartner:
Schulamt, Kulturreferat und Sozialreferat Nürnberg, Hauptschule Hummelsteiner Weg, Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände, Südstadtkids, Mädchentreff, Geschichte für Alle e. V., Südpol e. V., Evangelische Fachstelle für Alleinerziehende im Eckstein, Junge Humanisten Nürnberg, Kinder- und Jugendhaus Suspect, Jugendtreff "U43", Amadeu Antonio Stiftung.

Erwartete Ergebnisse:
Als konkrete Arbeitsergebnisse stehen im Anschluss an das Projekt
1. ein Datenpool auf CD-Rom,
2. pädagogische Handreichungen und
3. die Projektdokumentation zur weiteren Arbeit für pädagogisch arbeitende Einrichtungen
zur Verfügung.

Pädagogische und methodische Grundlagen sollen in den nächsten Jahren weiteren Praxistests unterzogen, konsequent weitergeführt und aktuellen Entwicklungen angepasst werden. Der Bestand an konkreten Anwendungsbeispielen soll konsequent erweitert werden, auch aus der Praxis anderer Bildungseinrichtungen heraus. Hier muss eine Rückmeldungs- und Ergänzungsmöglichkeit geschaffen werden, um diesen Bestand permanent zu erweitern und das Angebot breiter zu fächern.
Der Datenpool wird in digitalisierter Form erstellt und kann erweitert werden. Insbesondere im Bereich der Zeitzeugen-Interviews muss die Arbeit in den nächsten Jahren noch intensiviert werden. Auch nach Abschluss des Projektzeitraumes sind weiterhin die Durchführung von Workshops mit Jugendlichen und Fortbildungen für Multiplikatorinnen und Multiplikatoren sowie Netzwerkarbeit geplant.




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