70174 Stuttgart

Lernort - Gedenkstätte

Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner:
Beate Müller

Kontaktdaten:
Förderverein Stuttgarter Jugendhaus e. V.
Hohe Str. 9
70174 Stuttgart
Tel: 0711-9978598
Email:
www.jugendhaus.net www.lernort-gedenkstaette.de
  Durchführung:
Durchführungsort/e: Stuttgart/ Gedenkstätte Zeichen der Erinnerung
Bundesland: Baden-Württemberg
weitere Länder: -
Förderzeitraum: 08/2007-12/2010

Themencluster:
Auseinandersetzung mit historischem und aktuellem Antisemitismus

Unterthema:
Zeitgemäße Konzepte für die Bildungsarbeit zum Holocaust

Hauptzielgruppe:
Kinder und jüngere Jugendliche

Kurzbeschreibung:

Leitziele:
Jugendliche haben an vielfältigen Lernorten Kenntnisse über die Zeit des Nationalsozialismus, soziale Kompetenzen und demokratische Haltungen erworben.
1. Jugendliche kennen wichtige Fakten zum Nationalsozialismus und Holocaust.
2. Jugendliche begreifen sich als handlungsmächtige Akteurinnen und Akteure und kennen ihre Verantwortung für den Erhalt einer demokratischen Gesellschaft.
3. Jugendliche sind sensibilisiert für Formen von Ungleichheit, Diskriminierung und Ausgrenzung in unserer gegenwärtigen Gesellschaft.
4. Jugendliche können historische wie auch aktuelle Situationen aus der Perspektive verschiedener Personen deuten und kennen die Möglichkeiten und Grenzen deren Handelns.

Handlungskonzept:
Das Projekt macht Angebote der historisch-politischen Bildung zum Nationalsozialismus für Jugendliche. Der Schwerpunkt ist zunächst die Ausgrenzungs- und Vernichtungspolitik gegenüber der jüdischen Bevölkerung, aber auch anderer Gruppen, die nicht dem "Ideal" der Ideologie der Volksgemeinschaft entsprachen. Als Träger von Jugendhäusern und Anbieter verschiedener kultureller Angebote leistet die Stuttgarter Jugendhaus gGmbH einen wesentlichen Anteil im Bereich der historisch-politischen Bildung in Stuttgart und bietet darüber hinaus Jugendlichen Grundlagen zur Konfrontation mit aktuellen gesellschaftlichen Problemen. Als Lernort der historisch-politischen Bildung leistet das Projekt sachliche Aufklärung über den Nationalsozialismus und Holocaust. Es ermöglicht hierbei den Teilnehmenden entdeckendes Lernen, fördert Eigeninitiative und Selbständigkeit, stellt aktuelle Bezüge zwischen Vergangenheit und Gegenwart her und integriert Aspekte emotionalen und kognitiven Lernens. Gegenwärtige Themen politischer Jugendbildung, die in der schulischen als auch offenen Jugendarbeit besonderer Aufmerksamkeit bedürfen, wie die Erziehung zu aktivem Demokratieverständnis, das Eintreten gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus, Ausländerfeindlichkeit, Gruppenzwang und Gewalt finden dabei Berücksichtigung. Ausgangspunkt ist die Gedenkstätte "Zeichen der Erinnerung" in Stuttgart.

Ziel des Projekts ist es jungen Menschen ein breites, differenziertes, pädagogisches Angebot bereitzustellen, das sich nicht nur auf die Gedenkstätte beschränkt. Das Programm wurde als Bausteinsystem entwickelt, das verschiedenen Zielgruppen offen steht, d. h. es ist zielgruppenspezifisch, erweiterbar, einzeln abrufbar, kombinierbar, kann flexibel auf neue Anforderungen reagieren und trägt dem Migrationshintergrund vieler Jugendlicher Rechnung.
Der Projektstab besteht aus zwei hauptamtlichen Mitarbeitern, die die pädagogischen Konzepte entwickeln, weiterentwickeln und das Programm koordinieren. Mit der Unterstützung von 18 engagierten jungen Freiwilligen wird die praktische Arbeit vor Ort umgesetzt. Die ehrenamtlich arbeitenden Guides, Teamerinnen und Teamer (Historikerinnen und Historiker, Politologinnen und Politologen, Sozialpädagoginnen und -pädagogen sowie Studierende der Fachrichtungen Geschichte, Soziologie, Politik, Pädagogik und Erziehungswissenschaft) sind eine wichtige Voraussetzung für das Gelingen des Projekts. Von besonderer Bedeutung ist die Fachkompetenz und persönliche Glaubwürdigkeit der Multiplikatorinnen und Multiplikatoren. Das Gespräch, das auf das Befinden und die Fragen der Jugendlichen eingeht, ist eine zentrale methodische Form.

Die Führung "Die Deportation der Juden aus Stuttgart" Die Führung ist ein Kurzzeitangebot, wird von zwei Guides betreut und dauert ca. zwei Stunden. Sie beginnt am Killesberg und führt zur Gedenkstätte. Dabei bietet sie Raum für Gespräche und Diskussionen, die die Jugendlichen zum Nachdenken anregen und ein weiterführendes Interesse wecken sollen. Die Darstellung von Einzelbiografien und der regionale Bezug machen die komplexen Ereignisse greifbar. Das Angebot ist auch für Gruppen mit geringen Vorkenntnissen geeignet. An Hand von ausgewählten Stationen werden die folgenden Themen behandelt:
· Gesellschaftliche und politische Rahmenbedingungen der Verfolgungspolitik
· Ausgrenzung der jüdischen Bevölkerung
· Ablauf der Deportationen
· Einzelschicksale
· Reaktionen der Mehrheitsbevölkerung
· Gedenken und Aufarbeitung

Projekttage
Als vertiefende Angebote werden Projekttage zu folgenden Themen angeboten:
1. Macht - Gruppe - Identität
2. Deportation der Juden, Biografie Inge Auerbacher
3. Bücherverbrennung und Berufsverbote, Biografien Theodor Heuss und Reinhold Nägele
Die Projekttage werden jeweils von zwei Teamern begleitet und dauern zwischen vier und sechs Stunden. Diese Programme beschäftigen sich mit dem Thema Gemeinschaft und Ausgrenzung mit vielgestaltigen pädagogischen Ansätzen. Gemeinsam ist den Projekttagen eine vertiefende und nachhaltige Beschäftigung mit folgenden Fragen:
· Wie funktionieren gesellschaftliche Ausgrenzungsmechanismen?
· Wieso treffen Menschen in der gleichen Situation ganz unterschiedliche Entscheidungen?
· Welche Handlungsspielräume hat der Einzelne bei hohem gesellschaftlichem Druck?
· Welche Bedeutung hat die Vergangenheit für die Gegenwart?
Es ist wichtig, mit einer Vielfalt an Methoden flexibel auf die individuellen Bedürfnisse zu reagieren. Nur so entsteht die Offenheit, die ein Nachdenken über Gesellschaft und Geschichte ermöglicht.

Kooperations- und Netzwerkpartner:
· Verein Zeichen der Erinnerung e. V. (Trägerverein Gedenkstätte, Auftraggeber des Besuchsprogramms für Kinder und Jugendliche)
· Stiftung Bundespräsident-Theodor-Heuss-Haus (Unterstützung bei/ Durchführung von Jugendleiterschulungen, Mitwirkung bei der Umsetzung von Projekttagen)
· Gesellschaft für Jugendsozialarbeit und Bildungsförderung e. V. (Beteiligung an der Programmentwicklung und Umsetzung)
· Fritz-Bauer-Institut Frankfurt/ Abt. Pädagogik (fachliche Beratung bei der Entwicklung des Gedenkstättenbesuchsprogramms, Praxisberatung)
· Stadtarchiv Stuttgart (Konzeptentwicklung und Umsetzung des archivpädagogischen Programms)

Erwartete Ergebnisse:
1. Durch die umfassende Einbindung aller relevanten Akteurinnen und Akteure wird das Projekt am Ende des Förderzeitraumes fortgeführt werden.
2. Die im Laufe des Projektes entwickelten und evaluierten Bildungseinheiten, Unterrichtsmaterialien und Konzepte können über das Projekt hinaus und unabhängig davon nachhaltig eingesetzt werden.
3. Der landesweite Fachtag dient dem Transfer der entwickelten Produkte sowie der gesammelten Ergebnisse und Erkenntnisse für die Fachöffentlichkeit. Die Ergebnisse aus den Diskussionen auf dem Fachtag sind über das Projekt hinaus nutzbar.
4. Die im Rahmen des Projektes ausgebildeten Guides, Teamerinnen und Teamer dienen als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren, die die erworbenen Kompetenzen auch nach Ablauf des Förderzeitraumes und über das Projekt hinaus anwenden.




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